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Maria S. Althäuser:
Hexe
Kürzlich sah ich dich wieder den Pfad herauf kommen, bepackt mit
allen möglichen Stoffsäckchen und kleinen Körben, den
Hut tief ins Gesicht gezogen, der Blick in die Ferne gerichtet. Ich
weiß, was du dort hinten suchtest, am Waldrand wachsen Huflattich,
Nessel und vielerlei anderes Grün. Alles scheinst du zu kennen,
jedes Kräutlein ist dir wert, es vorsichtig einzusammeln.
Deine Hütte ist voll von getrockneten Pflanzen und aus dem Kamin
zieht immer eine dicke Rauchschwade des Feuers, über dem im gußeisernen
Kessel der heilsame Trunk bereitet wird
.
Ich kenne dich, Frau, so du mich kennst, seit Iranjah mich vor langer
Zeit zu dir brachte, damit du meinen Körper vom Fieber heiltest
auf deine Art.
Ich kenne dich, seit ich die Augen öffnete damals, als nach vielen
Tagen das Leben in meine schwachen Glieder zurückkehrte und ich
staunend mit jedem meiner Blicke dir folgte, voller Hoffnung, zu ergründen
die Kraft, die von dir ausging, von deinen Händen, deiner singenden
Stimme, deinen lebhaften Augen.
Ich kenne dich und du kennst mich, Frau, füreinander bestimmt sind
wir und wissen es beide.
Die Zeit wird kommen, da sich der Tag meiner Geburt zum sechzehnten
mal jährt und ich werde hinüberwandern zu deiner Hütte,
zu deinem Herdfeuer.
Auf der Schwelle wirst du mich erwarten mit weiten Armen, mich zu lehren
alles, was du weißt, wie eine Tochter- wie eine Tochter.
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