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Klaus BergerGlaubensspaltung ist GottesverratWege aus der zerrissenen Christenheit Pattloch 2006, 319 Seiten, 19,90 €
Die Sehnsucht nach der gottewollten Einheit der Christlichen Kirchen ist groß, groß wie das Leiden derer, die sich von der jeweils anderen Kirche ausgeschlossen fühlen. Nun ist der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger nicht gerade ein Umarmer. Was kann er zur Ökumene beitragen? Sehr viel, einerseits: Als getaufter Katholik und Mitglied der Evangelischen Kirche. Mutter Rom hatte ihm Berufsverbot auferlegt, weil seine Dissertation nicht katholisch genug war. Man hielt ihn für eine Gefahr für die Kirche. Schweren Herzens und gleichzeitig dankbar vollzog er den Übertritt, lehrt seit vielen Jahren an der ev. Fakultät in Heidelberg und ist dort so katholisch wie nur was, nach meinem Geschmack. (Wer etwas über den "Skandal" Berger lesen will, klicke sich zur ZEIT weiter.) Seine Analyse wiederholt oft vorgetragene Positionen. Die "Christentümer" (KB) sind zerstritten, und damit beleidigen sie Gott.Obzwar in der Regel zufällig ev oder rk, je nach geografisch-politischer Herkunft, hängen Christen sehr an "ihrem" Bekenntnis. Gefühle spielen eine sehr große Rolle und werden vom Autor benannt und respektiert. Er skizziert die Streitfragen (Kirchenverständnis, Abendmahl, Maria, Bibelübersetzung, Papst usw.) und versucht mit Inbrunst, die jeweils kontroversen Positionen zu verstehen und als kontrovers zu akzeptieren oder als Scheinkonflikt zu entschärfen. Wahrhaft dicke Brocken wie das Lehramt, das Evangelische zu heftigsten, auch körperlichen Affekten reizt, begründet er aus einer nachvollziehbaren Sachlogik. Immer findet der alte Fuchs auch Protestanten in der evangelischen Theologie, die für die katholische Seite arbeiten! Das ist vergüglich zu lesen - für mich als Protestant. Wie denn nun zur Einheit finden? Der Titel verheißt immerhin "Wege". Berger kneift nicht. Wer ihn kennt, weiß, dass er nicht s von vorschneller Tischgemeinschaft z.B. hält. Erst die Einheit erarbeiten, dann das Herrenmahl gemeinsam feiern. Alles andere ist für ihn Verrat am Heiligsten.Die Bemühungen der Frauen (Priesterweihe etc.) lehnt er ab. Nicht ohne zu begründen, wieso er zB sich Gott als Mann vorstellt - und den Priester sowieso. Nachlesen! Aber auch die bewundernden Worte, die er für die unersetzliche Rolle der Frauen in der Kirche findet! Radikale Wege seien da zu gehen, wo man zur Einheit will: Unterwerfung ist das Stichwort. Gemeinsame rituelle Unterwerfung unter den Willen Gottes, nicht unter den des Papstes! Auf den Boden mit uns, Gesicht nach unten! Das provoziert natürlich, macht aber auch Türen auf: Rückbesinnung auf Luther (marianische Predigten) und auf Maria selbst. Kirche soll mystisch werden und weiblich, unter Beibehaltung von Lehramt und Bischofsamt, damit nicht alles drunter und drüber geht. Sie soll sich konzetrisch lagern um Stätten der Spiritualität, wie er die Klöster nennt. Heilmittel gegen Spaltungen aller Art seien gemeinsame existenzielle Erfahrungen. Lasst uns z.B einen Kreuzweg gehen und unter dem Kreuz zusammenfinden. Das Buch ist relativ schnell gestrickt, in meiner Ausgabe mit einer Reihe von Druckfehlerchen. Aktualität ist ein wichtiger Faktor, stimmt schon. Dafür bezieht sich Berger ja auch auf soeben erst verklungene Feiern wie den Weltjugendtag und die Streitigkeiten in der FAZ über seine "fragliche" Konfessionszugehörigkeit. Insgesamt: Lesenswert und ermutigend!
(c) Simon Croll, Februar 2006
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